Presseerklärung zur Umsetzung von Schweizer Studie für Augsburg

Die Schweizer gelten ja als Vorbilder in vielerlei Hinsicht, so auch beim öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Dass dabei aber auch in der Schweiz nicht alles Gold ist was glänzt, zeigt eine Studie, die vergangene Woche vom Schweizer Forschungsinstituts gfs.bern veröffentlicht wurde: es wurde die Zufriedenheit der EinwohnerInnen von sieben Kommunen bezüglich des Verkehrs in Ihren Städten und der Aufenthaltsqualität dort abgefragt. Und es zeigte sich, dass die Attraktivität des ÖPNV-Angebotes ausschlaggebend ist für die Nutzung durch die EinwohnerInnen. Vielfach wurden der zu hohe Ticketpreis, die zu geringe Taktung der Verbindungen oder gar das Fehlen interessanter Verbindungen bemängelt.

Aber auch der Ausbau der Fahrradinfrastruktur wurde vielfach angemahnt. Hier müsse der Rückbau von Parkplatzflächen für PKWs zu Gunsten von Radwegen vorangebracht werden. Einen weiteren Schwerpunkt sehen die Befragten in der hohen Gefährdungslage für die verschiedenen VerkehrsteilnehmerInnen (FussgängerInnen/RadlerInnen/PKW-FahrerInnen): hier müssten dringend Unfallschwerpunkte durch bauliche Maßnahmen entzerrt werden, um den jeweils schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen die gefahrlose Benutzung des Straßenraumes zu ermöglichen. ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger sieht in den Ergebnissen der Studie durchaus Vergleichbare Gegebenheiten hier in Augsburg: "Wir brauchen uns nicht wundern, warum Augsburg zunehmend im motorisierten Individualverkehr erstickt: genau diejenigen Faktoren, die zu einem Umstieg vom PKW zum ÖPNV oder Fahrrad führen würden, haben wir hier in Augsburg konsequent verschlimmbessert", so Pettinger. Die AVV-Tarifreform vom vergangenen Jahr habe die Benutzung für viele Fahrgäste teurer und unpraktischer gemacht, Die Fahrradstadt 2020 sei systematisch in den Sand gesetzt worden. Sobald ein PKW-Parkplatz für einen Radweg weichen müsse, gehe ein Aufschrei durch die Mehrheit des Stadtrates und der Radweg ende im Nirvana. Und traurig aber mehrfach geschehen: abbiegende LKW übersehen RadfahrerInnen und verletzen sie stark oder sogar tödlich.

Und laut Pettinger hat das ganze System: "In den nächsten Monaten soll das Stadtentwicklungskonzept (STEK) für Augsburg vom Stadtrat verabschiedet werden. Hierin soll festgeschrieben werden, wohin die Entwicklung Augsburgs in Zukunft führen soll. Ein Grundsatz der sich dabei wie ein roter Faden durch den Entwurf zieht ist die Annahme, man könne durch den Neubau von Straßen bestehende Verkehrsprobleme lösen! Damit werden dann die Weichen aber völlig fasch gestellt." Pettinger hatte dies auch in der Vergangenheit schon öfter versucht zu korrigieren, zuletzt mit einem Antrag wenigstens den Bau der Osttangente als Entlastungsstraße für die B17 nicht mit ins STEK aufzunehmen. Er sieht sich durch die Ergebnisse der Studie jetzt klar bestätigt in seiner Einschätzung.

Um hier vielleicht doch noch die Kurve zu bekommen hat Pettinger jetzt einen Antrag bei Oberbürgermeister Dr. Gribl eingereicht, der die Ergebnisse der Studie aus der Schweiz in das Augsburger STEK mit einfließen lassen soll. Außerdem möchte Pettinger die Fußgängerbereiche weiter ausbauen und schlägt eine Verlängerung der Fußgängerzone in der Maximilianstraße bis zum Merkurbrunnen vor. Systematisch erfassen und dann durch bauliche Maßnahmen beseitigen soll die Verwaltung nach Pettingers Wille die Unfallschwerpunkte von RadfahreInnen und FußgängerInnen. "Und da reicht es nicht, im Kreuzungsbereich rote Markierungen zu setzen", so Pettinger. Für das Thema Attraktivität des ÖPNV fordert Pettinger eine moderierte Bürgerbeteiligung, die dann aber nicht durch klamme Kassen bestimmt sein dürfe, sondern ausschließlich an der Steigerung des Nutzens für die Fahrgäste orientiert sein müsse.

Christian Pettinger
Stadtrat der ÖDP


Zurück

Die ÖDP Schwaben verwendet Cookies, um diese Website Ihren Bedürfnissen anzupassen. Zu den Cookie-Nutzungsbestimmungen